Wer hätte das gedacht?


Ich am allerwenigsten. Als ich vor 11 Jahren nach Berlin kam, hatte ich keine Arbeit. Nur eine Wohnung und eine Schule für Sohn4. Arbeitslos habe ich mich gemeldet. Arbeitslosengeld bekam ich keines. Hatte ja vorher lange nicht gearbeitet.  Sozialhilfe wollte ich nicht beantragen.  ( ich weiß gar nicht ob das damals noch so hieß) Waum? Das wäre jetzt eine lange und andere Geschichte. Da konnte ich noch so sparsam sein, am 20. war oft das Geld alle. Konto überziehen ging damals nicht. Wo nix ist….. Aber Sohn4 und ich haben es immer wieder geschafft, wenigsten etwas am Tag essen zu können. Ich bin überall hingerannt, um nach Arbeit zu fragen. Obwohl ich damals ja noch etliche Jahre jünger war ( hm wie kommt das nur  🙂 ) Bekam ich immer nur zur Antwort: Nein danke wir suchen nur junge Leute, am liebsten Studenten. Irgendwann bekam ich eine Arbeit angeboten. Ich durfte für verschiedene Geschäfte Waren in Regale räumen. Es gab die Stunde 4 Euro 50Cent. Es war nicht mein Traumjob und viel Geld war es auch nicht, aber das war mir egal. Ich wollte arbeiten und da war es auch egal was.

Dann hatte meine damalige Kirchengemeinde ein Jugendtreffen. Sie Jugendlichen schliefen in der Schule wo Sohn4 täglich hinging. Mein Pastor fragte ob ich Lust hätte, die Küche für diese Zeit zu übernehmen. Da es am Wochenende war habe ich das gerne übernommen. Dort traf ich den damaligen Geschäftsführer. Ein toller Man, ein wirklich gläubiger Mann, der so fein mit allen Menschen umging, das es eine Wohltat war, sich mit ihm zu unterhalten. Im Gespräch erzählte ich ihm, das ich Arbeit suchen würde und das es auch egal wäre was. Daraufhin überlegte er kurz, sagte dann, na bewerben sie sich doch mal bei uns für die Küche…. Uihhh, so Küche war ja nun gar nicht mein Ausbildungsberuf, aber egal… ich versuche es. Ich durfte dann als Springer dort arbeiten. Springer hieß, das ich egal in welchem Standort jemand fehlte, eingesetzt wurde. Nein nicht als Lehrer oder Erzieher, wie auch, ist ja nicht meine Ausbildung. Ich durfte Toiletten schrubben und Fußböden. Ich durfte auch in der Küche helfen, wenn dort irgendwo jemand fehlte.

Irgendwann wurde ich gefragt, ob ich nur noch in der Küche arbeiten möchte, da eine Kollegin die Schule verlassen würde. Natürlich… So eine Frage aber auch. Ich arbeitete dann ein Jahr als Küchenhilfe, bis ich eines Tages zum Chef gerufen wurde. Panik….. die hatte ich damals noch vor einem Chef…. ( Heute bin ich weit davon entfernt). Chef plauderte erst einige Zeit mit mir ( ich stand kurz vor einem Herzinfarkt, weil ich dachte, das er mich entlassen wolle. Warum auch immer) um mich dann zu fragen, ob ich Lust hätte die Küchenleitung zu übernehmen. Wow… Bedenkzeit habe ich keine gebraucht. Und jetzt bin ich seit 10 Jahren an der Schule, habe meinen Traumberuf gefunden, tolle Mitarbeiter und Freunde kennengelernt. Mein damaliger Chef ist leider mittlerweile verstorben.

10 Jahre arbeite ich jetzt schon in der Schule. Nicht vom Tellerwäscher zum Millionär. Von der Klofrau zur Küchenleitung.

Blümchen gab es, viele Gratulationen, viele Hände wurden geschüttelt, viele, viele Kinder haben Lieder gesungen. Schön wars und der extra Scheck war auch schön.

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Mein Schlusssatz: Wenn jemand  Arbeit sucht, dann darf man auch ruhig eine „niedere“ Arbeit annehmen. Wenn man mag kann  man sich auch hocharbeiten. Selten das man gleich eine Chefstelle angeboten bekommt.

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14 Kommentare zu „Wer hätte das gedacht?

  1. das ist wirklich ein guter Aufstieg und ich freu mich, dass du dies immer wieder auch angeboten bekamst und alles so gut geschafft hast. Wir lesen ja immer, dass sie dich dort gerne haben. Alles Liebe und auch Glueckwuensche von mir.

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  2. das finde ich ja super wie Du dich hochgearbeitet hast. das kann man kaum nachempfinden wenn man immer im gleichen Beruf tätig war und immer relativ gut bezahlt wurde. Hut ab.
    lieben gruss
    Abendstern

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  3. die leute die sofort chefstellen kriegen, sind sehr selten und das ist auch nicht gut, weil sie die materie mit kennen. dann hast Du einen Chef vor der nase der von tuten und blasen keine Ahnung hat. Ging mir so. Meine Chefs waren fast alle Idioten.

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  4. Liebe Gabi, einfach war es anfangs nicht.
    Aber meine Glückwünsche zu 10 Jahren Küchenleitung. Wow!
    So schöne Blumen.
    Das glaube dir, dass auch die Kinder kamen um dir zu gratulieren.
    Das ging bestimmt zu Herzen.
    deine Bärbel

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